Geteilte Freude ist vierfache Freude

Mein erster Staffelmarathon

Ich hatte bisher noch nie einen Marathon leibhaftig miterlebt. Nur zuzuschauen war mir zu wenig (obwohl ich aus eigener Erfahrung weiß, wie motivierend Zuschauer für einen Läufer sein können) und selbst mitlaufen - nun ja, meine Lieblingsdistanz sind zehn Kilometer und um den vollen Marathon in einer von mir selbst akzeptierten Zeit durchzustehen, müsste ich wohl doch sehr viel mehr in Trainingszeit investieren. Marathon kam also für mich (noch) nicht infrage, wenn es da nicht neuerdings beim Hamburg Marathon die Staffeln gäbe.

Das Angebot, die volle Distanz auf vier Läufer aufzuteilen, die nacheinander jeweils 16.3, 11.2, 5.4 und 9.4 Kilometer laufen gibt es seit dem letzten Jahr. Unser Lauftreff hatte dieses Jahr neun Staffeln gemeldet und diesmal war ich dabei, mit der besonders attraktiven letzten Strecke von Alsterdorf bis ins Ziel.

Frühstückslauf
Beim Frühstückslauf.

Zur Einstimmung auf das große Ereignis trafen sich alle Teilnehmer bereits am Tag vorher um 9:00 Uhr am TSV Stadion zu einem kleinen, langsamen Lauf mit anschließendem Frühstück im benachbarten Kinder- und Jugendzentrum, das uns freundlicherweise seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellte. Angela hat das alles sehr schön organisiert und jeder brachte etwas zum Gelingen eines reichhaltigen Frühstücksbuffets mit. Nach dem Essen hatten wir Gelegenheit, noch einmal alle Details des Ablaufs des nächsten Tages zu besprechen, z.B. das Thema, wie das denn mit der Vorlauf- und Nachlaufbekleidung und den dafür vorgesehenen Kleiderbeuteln genau funktioniert.

Am Sonntag trafen sich dann die meisten der dritten und vierten Läufer der jeweiligen Staffeln sowie einige Begleiter gegen 10:00 Uhr am Wedeler Bahnhof, um die Fahrt zu den Wechselpunkten anzutreten. Die Marathon- und auch die Startläufer fanden sich dort bereits um 07:00 Uhr ein, die 2. Staffelläufer fuhren um 09:00 Uhr zu ihrem Wechselpunkt. Beim Umsteigen in die U-Bahn am Jungfernstieg stellte sich ein wenig das Feeling der U-Bahn in Tokio während der Rush-Hour ein. Offenbar haben Laufbegeisterte ein so starkes Zusammengehörigkeitsgefühl, dass sie alle gleich in die Wagen in Treppennähe drängten. In den ersten und letzten Wagen des Zuges hingegen gab es sogar noch freie Sitzplätze. Die Schlussläufer mussten die U1 in Alsterdorf verlassen und noch etwa 800 Meter bis zur Wechselzone zurücklegen. Dort ging es dann sehr entspannt zu. Die Staffelläufer wurden vor der Wechselzone von der Hauptstrecke abgeleitet und in einer langen Schleife an den Wechselboxen vorbeigeführt, eine Box für jeweils 100 Startnummern, schön geordnet und beschildert. Der Start war um 9:00 Uhr gewesen, nach der erwarteten Form meiner drei Mitstreiter Rolf, Jogi und Anja durfte ich die Ankunft von Anja gegen 11:45 Uhr erwarten. Ich hatte noch genug Zeit. Das Wetter hatte sich prächtig entwickelt, es gab nicht nur wolkenlos blauen Himmel, auch die Temperatur war mittlerweile auf sehr angenehme 15 Grad gestiegen und es war nahezu windstill. Nachdem ich eine Weile den vorbeiziehenden Läufern auf der Hauptstrecke zugesehen und einen ersten Eindruck von der guten Stimmung bekommen hatte machte ich es mir erst einmal auf der Wiese vor der nahegelegenen Alster bequem um mich umzuziehen und vorzubereiten. Um 11:40 Uhr begab ich mich dann in die sichere Nähe der für uns zuständigen Wechselbox und war gerade damit beschäftigt, meine Jacke im Kleiderbeutel zu verstauen, als ich jemanden meinen Namen rufen hörte. Es war erst 11:44 Uhr und Anja war schon angekommen! Nun aber schnell den Zeitchip übernehmen und schon fand ich mich auf der Strecke wieder. Wer zu dieser Zeit auf diesem Teil der Strecke unterwegs war hatte gute Chancen unter 3 Stunden 30 Minuten im Ziel anzukommen, entsprechend war das Tempo. Aber ich war ja noch ausgeruht, während die anderen dieses Tempo schon seit über 30 Kilometern durchgehalten hatten. So konnte ich beständig Läufer überholen, fast hatte ich schon ein schlechtes Gewissen deswegen, aber die Staffelläufer waren immerhin durch ein Schild auf dem Rücken als solche erkennbar. Ich durfte also hoffen die übrigen Läufer durch mein Verhalten nicht zu frustrieren. Mich hat's jedenfalls beflügelt, und die Zuschauer am Rand der Strecke trugen ihr Übriges dazu bei. Die Stimmung war beeindruckend und steigerte sich von Kilometer zu Kilometer, je näher wir Eppendorf kamen. Dort war dann wirklich der versprochene "Hexenkessel". Wir wurden mit viel Lärm und Begeisterung angefeuert, die Namen der Läufer wurden gerufen und so individuell mit Aufmunterungen bedacht. Besonders schön war es, wenn Musik geboten wurde. Insbesondere die Trommlergruppen schafften es, auch bei den erschöpftesten Läufern die Schrittfrequenz unwillkürlich wieder zu erhöhen. Selten schien mir die Zeit bei einem Lauf so schnell zu vergehen und als wir am Dammtorbahnhof vorbeiliefen war ich überrascht, dass wir ja schon fast am Ziel waren. Blieb noch eine spannende Frage: Würde ich, wie geplant, Rolf, Jogi und Anja kurz vor dem Ziel wiedertreffen, damit wir gemeinsam einlaufen können? Auf der langen Zielgeraden konnte man schon von weitem eine besonders starke Menschenansammlung am Streckenrand erkennen. Dort musste es wohl sein. Und dann sah ich auch schon alle drei auf die Bahn laufen und mir zuwinken. Jogi hatte sogar Emil mit dabei, den läuferischen Nachwuchs von Jogi und Anja, der sich nun rühmen kann, bereits im zarten Alter von nicht einmal zwei Jahren seinen ersten Zieleinlauf beim Hamburg Marathon absolviert und eine Medaille bekommen zu haben. 

Staffel
Geteilte Freude - hier sogar fünffache Freude!

Am Ende konnten wir uns über eine Zielzeit von 3:30:14 freuen (Platz 149 von 1500), wobei sich zeigte, dass Rolf, Jogi und ich im Durchschnitt fast auf die Sekunde genau mit der gleichen Zeit pro Kilometer unterwegs gewesen waren. Und Anja war durch die von Rolf und Jogi vorgelegte Zeit von Läufern umgeben, die sie mitreißen konnten, so dass auch sie nicht viel langsamer war.
Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, gemeinsam die Strecke von 42,195 km zu bewältigen, die ich allein keinesfalls gelaufen wäre.

Rainer


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