Vom Laufeinsteiger zum Marathon

Mein erstes Mal über die volle Distanz

Auf Schulsport hatte ich früher nie wirklich Lust und in all den Jahren haben mir mangelnde Bewegung und leckeres Essen das eine und andere Kilo zuviel beschert. Sicherlich habe ich den allseits bekannten Schweinehund so einige Male bezwungen und bin für mich gelaufen, doch irgendwie wird es draußen zu nass, zu kalt oder man ist zu einsam. Von einigen Leuten hörte ich: „Melde Dich mal zum Laufeinsteigerkurs des Lauftreffs Wedel an“, und so bezwang ich „Günter“ auch in diesem Fall. Das Motto war Laufen ohne Schnaufen und tatsächlich schafften es alle Einsteiger über 7 km am Stück zu laufen. Durch die tolle Gemeinschaft im Lauftreff folgten einige Laufveranstaltungen mit Strecken über 5 und 10 km und nach 11 Monaten lief ich bereits 23 km mit Freunden. Beim Staffelmarathon in Hamburg habe ich mit der Startetappe die erste Marathonluft geschnuppert und beschloss mich an die volle Distanz heran zu wagen.

 

Koelnmarathon Andre kleinNach Diskussionen fiel die Wahl auf den Köln-Marathon am 13. Oktober, bei dem wir gemeinsam mit Kim, Viki, Rafaela, Torben, Thorsten, Timo und Christian starten wollten. Nun hatte ich ein neues Ziel vor Augen und wusste was ich bis dahin zu tun hatte. Das Laufpensum musste gesteigert werden, Intervalltraining und längere Läufe standen auf dem Plan. Unglücklicherweise fiel meine Frau als Trainingspartnerin aus und das Training kam ins stocken. Ich hatte bis zwei Wochen vor dem Start nur zwei lange Läufe absolvieren können, aber der abschließende Alstertal Halbmarathon lief dermaßen gut, das fast alle Zweifel ausgeräumt waren. Zeit, Puls-Statistik und der minimale Erschöpfungsgrad waren hervorragend!

Am Marathonvorabend stand eine gemeinsame Pasta-Party mit Koys, Nissens, Meisters und Timo auf dem Plan. Die selbstgemachte Pasta Bolognese à la Torben war großartig und lieferte nochmal ein bischen Nachschub für den Kohlehydratspeicher. Dann hieß es ab ins Bett und zu versuchen, vor lauter Aufregung eine Mütze voll Schlaf zu bekommen.

Das Frühstück am Marathonmorgen fiel karg aus, man möchte ja schließlich nicht mit vollem Magen starten. Leckeres Rosinenbrot sollte noch ein paar Kohlenhydrate liefern um bestens gewappnet zu sein. So stand ich also etwa 19 Monate nach Beginn des Einsteigerkurses und 21 Kilo leichter in Köln im Startbereich des Köln-Marathon. Die Bedingungen waren alles andere als stabil, die Wettervorhersagen gingen von Regen über Sonne und Trockenheit immerhin bei annehmbaren Temperaturen. Der Startzeitpunkt kam immer näher, und so langsam stieg die Herzfrequenz. Koelnmarathon Gruppe kleinGott sei Dank stabilisierte sich das Wetter und wir konnten uns über einen Lauf ohne Regen freuen.

 

Mittlerweile wurden die Stimmen im Kopf lauter: habe ich genug trainiert, reichen zwei lange Läufe, war das Training ohne Trainingsplan eine so gute Idee, werde ich die von mir angepeilte 6:30er Pace halten können? Nachdem ich mich in den hinteren Startblock eingereiht hatte begann das gewohnte Warten auf den Startschuss, der pünktlich um 11:30 Uhr fiel. Erst 12 Minuten später überquerte ich mit Kim und Rafaela die Startlinie und der lange Weg begann. Nach einem Kilometer zeigte die Uhr einen Schnitt von 6:18 und ich fragte mich ob ich das bis zum Ende halten könnte. Die Strecke führte uns kurz nach dem Start über die Deutzer Brücke über den schönen Rhein und dann am Rhein entlang. Bei Kilometer 2 standen dann das erste Mal unsere Fans und feuerten uns an – der eigene Fanclub, bestehend aus Birgit und Annika, Rena, Rani, Nike und Fynn, war extra mitgereist um uns „nach vorne zu jubeln“ und sie machten ihren Job mit ihren Transparenten und Cheerleader-Pompons sehr gut. Das schöne an der Strecke war, dass die Veranstalter einige Schleifen eingebaut haben, so dass einem die schnelleren Läufer entgegen kamen. Dadurch konnten wir Ausschau nach unseren Laufkollegen halten und feuerten uns gegenseitig im Vorbeilaufen an. Einige Sportler liefen auch in bunten Verkleidungen – an dieser Stelle meine Hochachtung für diese Läufer, die sich teils mit schweren oder unbequemen Kostümen auf die 42,195 km machen. An der Strecke gab es unglaublich viele Stimmungsherde, Fans die einen beim Namen nannten und Mut zuriefen. Diese Zuschauer sowie die vielen Helfer und die Versorgungsstände sorgten für zusätzliche Energieschübe und ließen die langen Kilometer kurzweilig werden. Bei Kilometer 30 begannen dann meine Beine schwer zu werden und der Gegenwind trug seinen Teil dazu bei, dass ich die Pace nicht halten konnte. Ich dachte mir: Hauptsache ankommen, beim nächsten Mal kannst Du Dich nur verbessern…

Mittlerweile häuften sich links und rechts an der Strecke Läufer, die Dehnungsübungen oder Gehpausen machen mussten. Ich war nun etwas langsamer unterwegs, doch es lief mittlerweile wieder ganz gut. „Lächeln, Du hast dafür bezahlt!“ – solche Parolen von Fans waren überall zu lesen und sie holten die letzten Reserven aus einem heraus. Ohne Gehpausen überquerte ich nach 4 Stunden und 35 Minuten überglücklich die Ziellinie! Leider war es einfach zu kalt um sich lange im Verpflegungsbereich aufzuhalten. Die Kleiderbeutel warteten etwa 300 Meter entfernt auf die Läufer und so hieß es schnell trockene Kleider anziehen um dem „Open Window-Effect“ entgegen zu wirken. Am Ende hatte ich es aber einigen Skeptikern gezeigt und kam ohne Blasen oder Scheuerstellen heil an. Es war mein erstes, aber sicher nicht das letzte Mal – denn egal was einem ein Marathon für Muskelkater beschert, er ist es wert!

Danke an alle Unterstützer aus dem Lauftreff Wedel, dem Team von R² by Runners Point und an meine Familie!

André


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