Laufwochenende 2011 in St. Peter-Ording

Ein Augenzeugenbericht

Jedes Jahr, Ende Oktober, unternehmen  Mitglieder  des Lauftreffs ein gemeinsames Wochenende, um das kommende Jahr zu planen, an Laufstil und Lauftechnik zu arbeiten, Trainingseinheiten zu absolvieren, für die an den normalen Lauftagen keine Zeit vorhanden ist und, nicht das unwichtigste Ziel, gemeinsam Spaß zu haben.

Vor 10 Jahren waren es 6 Mitglieder, die das erste Wochenende gestalteten, in diesem Jahr waren wir 41, die mitkamen nach St. Peter-Ording.
Für diejenigen, die nicht mitkommen konnten, hier ein kurzer Blick auf unser Programm:
Freitag: Anreise und am Nachmittag erste kurze Läufe zur Erkundung der Gegend, am Abend eine Information zur Lauftechnik anhand eines Programms von Dieter Baumann, anschließend für unsere Lachmuskeln eine Episode der Serie „Pastewka“, Der Marathon.
Samstag: Wecklauf vor dem Frühstück, Jahresplanung, dann Laufschulung (mit Dirk) und intensive Gymnastik (mit Sylvia und Bernd); nachmittags eine Trainingseinheit mit Spielcharakter; Kaffee und Torte und ein gemütlicher Abend.
Sonntag: ein 2-Stundenlauf am Strand entlang und zum Abschluss ein gemeinsames Mittagessen in Tönning.
Immer wieder sind neue Mitglieder dabei, die ihren eigenen Blick auf das abgelaufene Wochenende haben; an einem  solchen lässt uns Susanne nun teilhaben.
(Damit es nicht gar zu insiderhaft wird, gibt es gelegentlich in Klammern einige Ergänzungen; ansonsten orientiert sich Susanne in ihrem Bericht am hier skizzierten Ablaufplan. Viel Spaß!)

ABC
Vorbereitung auf das Lauf-ABC.




Das Laufwochenende

Stolz, dass der Navi unsere Herberge (Nordsee Campus) gefunden hatte, sahen wir ein Dutzend Lauftreffler an uns vorbeiziehen. „Ach schon drei?“ Auf dem Parkplatz grinsten uns die anderen knapp-verpasst-Läufer an. Und weil wir noch hoch motiviert waren, nahmen wir den Deich selbst in die Hand.
Mit den Zimmern waren alle recht zufrieden, auch wenn die einen einen Fernseher und/oder eine Dusche hatten und die anderen nicht. Ich beispielsweise hatte wunderschöne Dachschrägen und drei Beulen weiter war ich froh, ausziehen zu dürfen.

Am Abend lernten wir dank Dirk und Rolf sehr viel über die Fußgelenksarbeit, Skippings, den Kniehebelauf, Anfersen, Hopserlauf, rückwärts laufen, rückwärts hopsern, Seitsprünge, seitwärts kreuzen, Steigungsläufe (nach dem Programm und Vorbild von Dieter Baumann). Pastewka brachte uns später in Marathonlaune. Wie realistisch die Darstellung war, werden wir im April sehen. Achtet ab März auf herumliegende Äste!
Der Abend war sehr ausschweifend. Es wurde viel gesungen, gelacht, beinahe hätten wir auch sehr viel getrunken und ausgiebig gefeiert, wenn nicht am nächsten Morgen um 7 der traditionelle vor-dem-Frühstück-Lauf angesetzt gewesen wäre. Verängstigt (das gilt aber nur einige Neue!) schlichen wir in unsere Betten.

„Was mache ich hier eigentlich?“ fragten sich die meisten, bemüht ausgeschlafen und sportbegeistert zu wirken. Irritiert stellten wir fest, dass die Zeitumstellung erst für die nächste Nacht vorgesehen ist und wir im wahrsten Sinne des Wortes im Dunkeln standen. Glücklich ist dann der, der einen laufenden Leuchtturm (d.i. unser Längster mit Kopfleuchte) bei sich hat. Und so bemühte sich jeder in der kalten, einsamen, unebenen Salzwiese in Torbens absoluter Nähe zu bleiben. Wie die kleinen Küken hinter ihrer Entenmama, hingen wir lästig (einige auch eher lässig) an seinem Rockzipfel und brachten ihn hin und wieder aus dem Tritt - hatten aber eine gute Sicht.
Doch der helle Stern leuchtete uns den Weg und so trafen wir kurz darauf in der Herberge ein. Da lag sie verträumt vor uns, unscheinbar im Tau des Morgens gebettet: die Mensa. Und weil wir befürchteten, dass Torben großen Hunger haben könnte, beeilten wir uns, vor ihm da zu sein. Stern hin oder her. Hier ging es um handfestes Essen.

Bei der anschließenden Jahresbesprechung war das Engagement sehr hoch und die Zeit zu kurz bemessen. Natürlich lag das nicht daran, dass den Meisten bereits alles weh tat und als nächster Programmpunkt Folter (so sehen es nur Ungeübte!) vorgesehen war.
Dirk, Sylvia und Bernd bewiesen sich als echte Sadisten (auch Läuferinnen und Läufer brauchen gelegentlich eine feste Hand!!). Durchaus wurde bemerkt, wie sie sich freuten, je höher unsere Qual wurde. Wir hopsten, skippten, fersten, kreuzten, hebelten und machten unanständige Sachen mit Fahrradschläuchen. Niemand wagte es zu sicheln (nach Baumann der Amateur-Laufstil) Der Lauftreff Wedel bewies aber auch hier ein gewisses Niveau. Sichler kamen nicht zum Zug.
In der Halle turnten wir uns den Wolf (einige auch die sieben Geißlein!). Unsere Schmerzensschreie wurden von der Musik übertönt. Da sich zwei Läufer die Matratze teilten, kam es zu (un)gewollten Annäherungen.

Laufspiele
Definition: „Als Laufspiel bezeichnet man eine von einem bestimmten Spielgedanken bzw. einer Aufgabe ausgehende Folge freudvoller Handlungen, die durch motorische Leistung und soziale Aktivität bestimmt werden. Laufspiele tragen meist Wettbewerbscharakter, können aber auch nur aus Freude am Miteinander gespielt werden, ohne die Ermittlung von Siegern.“
Eine Information, die vielen nicht bekannt war. Woher auch? Bernd wusste es natürlich. Geradezu verzweifelt versuchten wir zu gewinnen. Bloß nicht Letzter sein! Ein aussichtsloses Unterfangen. Als wir im Rechteck zu gut liefen, vergrößerte Bernd das Feld. Die Läufer waren planlos, teilweise völlig orientierungslos und haltlos (ach Susanne, so chaotisch hast du dich aber nicht benommen!) – aber voller Freude am Miteinander. Am Ende gab es einen Gewinner: Bernd, der immer noch lächeln konnte. Freundchen...

Mittlerweile fühlten wir uns extrem gut. Wir waren echte Läufer. Uns konnte man nichts anhaben. Wir waren DIE Sportler. Kein Modell, kein Olympionike konnte sich mit uns messen! Wir waren durchtrainiert bis zum kleinen Zeh und mit Fachwissen voll bepackt.
Dann stellte jemand eine Sahnetorte auf den Tisch. Unser Ego konnte knapp gerettet werden (einige hatten es schwerer als Andere).

Am Abend zeigten uns Sylvia und Bernd Fotos von Ruth  in Chile (für Ruth, die während des Erdbebens im letzten Jahr sehr geschädigt wurde, hat der Lauftreff bei den beiden letzten Sommerfesten gesammelt; Bernd und Sylvia haben mehrere Jahre in der vom Erdbeben am stärksten betroffenen Stadt gelebt.) . Da den meisten das Land und die Lebensumstände unbekannt sind, war es faszinierend, die Bilder zu sehen und die Berichte zu hören. 
Ein jeder hatte wohl noch ein Fläschchen auf seinem Zimmer, dass er jetzt hervorkramte. Sehr vorsichtig nahm man sich ihrer an, wohl wissend, dass zum Muskelkater nicht noch der andere Kater kommen sollte. Dennoch ...
Da die meisten dann doch leicht angeschwipst, waren, nutzte Doris die Gunst der Stunde und ging mit ihrem Marathon- & Staffelmarathonplan durch die Reihen. Letztendlich standen dann 11 Leute auf der Marathon- und 21 Leute auf der Staffelliste, die sich 2012 (in unserem Jubiläumsjahr) am Hamburg-Marathon beteiligen wollen. Leider wissen die meisten (sehr stark übertrieben !) nichts davon...
Gekonnt überspielte sie es dann mit einem Frage-Antwort-Spiel, dass eindeutig lustig, aber nicht gerade aktuell war. In der Tat kamen weder Dämonen, Zombis, Racheengel, Aliens oder blutrünstige Zauberer drin vor. Auch auf die Forderung: „Mehr Blut!“ konnte sie nicht angemessen parieren. Kopfschüttelnd bedachten wir Doris' kindliche Naivität.

Das Frühstück ließ die Diskussion aufkeimen, wieviel Zeit unsere Mägen benötigen würden, um einen erbrechungsfreien 2-Stunden-Lauf zu überstehen. Die Taffen legten ein Stündchen Puffer fest und die Ängstlichen aßen eben nichts oder nicht so viel.
Nach einer kurzen Lagebesprechung musste Doris sich noch einmal so richtig mit einem Namensspiel beliebt machen. Leider gab es kein Entkommen und so mussten wir schweren Herzens kurz vor Schluss  des Wochenendes noch alle 41 Namen lernen und hinnehmen, dass man uns ab diesem Zeitpunkt direkt ansprach. Stolz stellten wir fest, dass das gar nicht so schwer war, zumal einige die Namen schon vorher kannten,  beschlossen aber trotzdem, uns an Doris zu rächen.

Nicht, dass uns bereits alles weh tat. Sportbegeistert, wie wir waren, gab sich niemand die Blöße. Zwei Stunden laufen. Passt schon. Wundersame Erkenntnis: Strandlauf ist anstrengend. Auf dem Rückweg zog sich der Deich ins Unendliche. Ich schwöre: Auf dem Hinweg war der nicht so lang! Alle waren erschöpft. Alle? Nein, Hardy (einer der flotten Älteren!) langweilte sich zu Tode, fing an zu skippen und mit einem herzzerreißenden Blick fragte er, ob er bei der schnellen Gruppe mitmachen dürfe. Saus, weg war Opa Hardy.
Die Frauen hatten einstimmig beschlossen, dass Anne sich als erste den kalten Duschen stellen sollte. Da sie aber permanent kreischte, wird die Wahl nächstes Jahr wohl auf eine andere fallen.
Man (wer sagt denn sowas?) hatte uns gesagt, dass es nach einem langen Lauf gut tut, abends 20 (so lange?) Minuten Fahrradzufahren oder ein warmes Bad zu nehmen. Ich kann das ergänzen: Wenn man die Sitzheizung im Auto auf bestialisch-heiß einstellt und sich dazu eine Wärmedecke oben rüberlegt, bringt es auch nichts, ist aber schön muggelich.
Das Abschlussessen fand in Tönning statt. War lecker.
Dann joggten wir (noch eine von Susannes Übertreibungen: es waren nicht alle!) nach Hause. Wer's glaubt...

Danke an Renate, Doris, Sylvia, Rolf, Gerd, Dirk und Bernd. Ein starkes Team.
Wenn der Schmerz nachlässt, weiß man es (was meint sie denn damit?) zu schätzten!

Susanne

(Na, wenn das keine Lust auf nächstes Jahr macht!)

 


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