Der 27. Hamburg Marathon

Drei sehr persönliche Berichte von Teilnehmern aus dem Wedeler Lauftreff

Vorbemerkung - Diesmal veröffentlichen wir gleich drei Beiträge zum 27. Haspa Marathon Hamburg am 29. April 2012. Alle sind sehr persönliche Schilderungen von Läuferinnen und einem Läufer, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln ihren Lauf beschreiben.

Eine nach wie vor faszinierende Veranstaltung – der Hamburger Marathon. Bei insgesamt leider weiter rückläufigen Anmeldungen kamen sowohl die Zuschauer als auch die Akteure voll auf ihre Kosten:

Ziel
Matthias kurz vor dem Ziel.

Gute Wetterbedingungen, neue Streckenrekorde, tolle Atmosphäre. Sport und Spaß passten wieder einmal bestens zusammen.
Aus Sicht des Lauftreffs Wedel war eine Neuerung ein voller Erfolg – die erstmalige Einbindung des Staffelmarathons in den Marathonlauf. Das eröffnete Läuferinnen und Läufern die Möglichkeit teilzunehmen, die sich bis vor kurzem nicht im Traum vorstellen konnten, jemals beim Marathon mitzulaufen. Gestern noch Laufeinsteiger, heute Marathoni! Mit insgesamt 7 Staffeln beteiligte sich der Lauftreff Wedel an diesem Ereignis – und alle kamen zufrieden im Ziel an.

Roland
Er darf beim Hamburg Marathon nicht fehlen: Der Wedeler Roland. 

Die gelaufene Zeit spielte eine völlig untergeordnete Rolle, die Teilnahme an sich und das Gefühl, aktiv mit beigetragen zu haben zum Erfolg dieser Veranstaltung waren mindestens so viel wert wie die im Ziel umgehängte Medaille.
Die Königsdisziplin aber, der Marathonlauf über die volle Distanz, war natürlich das Highlight. Im Gegensatz zu den beiden deutschen Spitzenläufern Falk Cierpinski und Martin Beckmann, die auf die Olympiaqualifikation  hofften, aber bereits frühzeitig aussteigen mussten, finishten alle 18 Teilnehmer des Wedeler Lauftreffs! Respekt für dieses wirklich beeindruckende Ergebnis. Herzlichen Glückwunsch an alle, besonders aber an Wally und Peter, die erstmalig über die volle Distanz liefen. Unser schnellster Marathoni war wieder Matthias in 3 Std. 14 Min., unsere schnellste Läuferin Sylvia in 3 Std. 56 Min.

Renate Eichfelder

 

 

Der erste Marathon - geteilt durch vier!

Wer hat Lust am 27. Hamburg Marathon 2012 teilzunehmen? Diese Mail flatterte Ende 2011 in den „Briefkasten“. In diesem Jahr war es zum ersten Mal möglich, als Staffel am Haspa Marathon Hamburg teilzunehmen. Eine Staffel besteht aus 4 Läufern/Innen, deren Streckenabschnitte zusammen die 42,195 km ergeben. Dabei hat der erste Läufer 15 km, der zweite 10,4 km, der dritte 5,3 und der letzte 11,5 km zu bewältigen. Die Resonanz bei den Lauftrefflern war super, es gingen insgesamt sieben Staffeln vom Lauftreff Wedel an den Start - endlich war es möglich Marathonluft zu schnuppern, ohne die ganze Distanz laufen zu müssen.

staffel
Die Staffelmarathonis.

Natürlich gingen wir gut vorbereitet an den Start. Rolf übernahm die Trainingsleitung und wir trafen uns Anfang März zu einem Lauftest, um den Trainingszustand zu ermitteln. Anhand dieser Daten erhielt jeder einen individuellen, umfangreichen Trainingsplan für die kommenden 8 Wochen: 4-6 Trainingseinheiten pro Woche inkl. Lauftechnik, Dehn- und Kräftigungsübungen und Steigerungsläufen.
Dienstags und donnerstags trafen wir uns um 19:00 Uhr zum Lauftreff am Elbe-Stadion und hatten Gelegenheit, uns auszutauschen und uns entsprechend den Trainingsplänen zum Laufen zusammenzufinden. Am Wochenende standen die längeren Läufe auf dem Programm – bei Wind und Wetter ging es los und es war ein tolles Gefühl aus dem „gewohnten Tritt“ zu kommen und  neue Geschwindigkeiten bzw. längere Strecken zu laufen.
Einen Tag vor dem großen Ereignis trafen sich alle Staffelteilnehmer zu einem lockeren Lauf mit einem anschließenden, leckeren Frühstück. Freundlicherweise konnten wir hierzu die Räumlichkeiten des AWO-Kindergartens nutzen. Vielen Dank an Ingrid. Viele organisatorische Dinge wurden besprochen und jeder erhielt die lang ersehnte Startnummer. Handynummern wurden ausgetauscht, der Transponder für das Fußgelenk, der zur Zeitmessung und als Staffelstab dient, wurde begutachtet und die Frage wurde diskutiert: „Was mache ich mit meiner Vorstart- und in welchem Beutel ist meine Nachzielbekleidung".
Am nächsten Morgen, bei perfektem Laufwetter, fuhren wir gemeinsam in die Stadt und verteilten uns an den Wechselpunkten Ballindamm, City Nord und Ohlsdorf. Unsere Startläufer hatten sich schon früh morgens auf den Weg gemacht und standen um 9:00 am Start, um die ersten 15 km zu laufen.

Wally
Wally und Angela - Marathoni und Staffelläuferin.


Wir, die Schlussläufer, stiegen am Bahnhof Ohlsdorf aus und mussten noch warten, bis die Läufer 1-3 ihre Strecke zurückgelegt hatten. Dann war es soweit - ich sah Hanne in die Wechselzone einlaufen und jetzt gab es kein Zurück mehr, der Puls stieg an, der Wechsel klappte super und der Lauf ging los - die Aufregung wich der unbändigen Freude, dabei zu sein!
Mein Part waren die letzten 11,5 km von Ohlsdorf entlang der Alsterkrugchaussee – wow, was für eine Stimmung – überall am Straßenrand waren Marathon-Fans, die die Läufer mit Musik, Rufen, Instrumenten usw. anfeuerten. In den Vorgärten fanden Grillparties statt und die Verkehrsinseln waren beliebte Picknickplätze.  Die Sonne schien und so verging Kilometer um Kilometer. Die Stimmung erreichte ihren Höhepunkt am Eppendorfer Baum mit jubelnden „Fans“, Live Musik und Trommelkonzerten – Adrenalin pur und Motivation  für die letzten Kilometer bis zum Ziel.
Dann war es soweit – 300 m vor dem Ziel warteten wie verabredet meine drei Mitstreiterinnen Hanne, Nina und Thordis, um gemeinsam als Staffelteam über den roten Teppich ins Ziel zu laufen. Das war ein echtes Highlight zum Schluss und wir Mädels sind super glücklich und stolz dabei gewesen zu sein!

Daniela Reese

4-Stunden-Marke geknackt

Mein Name ist Christian, 31 Jahre und ich bin ein Wedeler Jung. Seit ungefähr zweieinhalb Jahren gehe ich regelmäßig zum Wedeler Lauftreff. Seit noch nicht einmal 2 Jahren hat mich nun auch die „Königsdisziplin“ des Laufens, der Marathon, gepackt. Ich habe bis dahin schon an zwei Marathons teilgenommen, einmal in Berlin 2010 und im letzten Jahr in Hamburg.
Auf den 27. Haspa Hamburg Marathon habe ich mich mit je 3 bis 4 Laufeinheiten pro Woche vorbereitet. Zu den normalen Einheiten bis 90 Minuten habe ich drei Läufe um die 25 Kilometer absolviert sowie drei lange Läufe über 30 Kilometer. Auf den langen Läufen haben mich mein Vater bzw. mein Großvater auf dem Fahrrad begleitet. In den letzten 10 Tagen vor dem Marathon war die Stimmung gut und die Vorfreude groß. Am Samstag, 28. April 2012 war ich noch auf der fast schon traditionellen „Pasta-Party“ des Lauftreffs, um noch einmal ordentlich die Kohlehydratspeicher voll zu machen. Abends habe ich alles vorbereitet, den Mika-Chip an meinem Laufschuh befestigt, die Laufhose und das Laufshirt rausgelegt, zwei Kohlenhydrat-Gels und Traubenzucker eingepackt sowie meine Uhr und den Ipod zur Zeitmessung bereitgelegt, wohlwissend, dass ich am Marathonmorgen viel zu aufgeregt dafür sein würde. Der große Tag, der Marathon-Sonntag, ist jetzt nur noch ein paar Stunden entfernt. Auch bei mir sprudelte das Adrenalin in den Blutbahnen. Die Nacht zum Sonntag, 29. April 2012 lag ich fast komplett wach im Bett, ich war wirklich sehr nervös.
Am Marathon-Sonntag stand ich dann leider ziemlich unausgeschlafen auf und nahm ein kleines Frühstück zu mir (Toast mit Honig, dazu ein gekochtes Ei). Um 6.45 Uhr traf ich am Wedeler Bahnhof ein, wo sich immer mehr Lauftreffler versammelten und um 7.03 Uhr fuhren wir dann gemeinsam Richtung Hamburg-Reeperbahn. Um 7.35 Uhr waren wir dann auf dem Gelände des 27. Haspa Hamburg Marathon eingetroffen und jeder gab seinen Kleiderbeutel ab. Die Zeit bis zum Start ging irgendwie vorüber, es war kurz vor neun. Ich war unheimlich müde, dann endlich der Startschuss und nach genau 5:18 Minuten machte ich den ersten Schritt über die Startlinie. Auf den ersten drei Kilometern machte sich die kurze Nacht bemerkbar und ich fand noch nicht richtig in den Lauf. Dann kam die erste Verpflegungsstelle und ich goss mir einen Becher Wasser über meinen Kopf. Dies regte meinen Kreislauf enorm an, ich war endlich aufgewacht. Bei Kilometer 10 stand dann der Fanclub des Wedeler Lauftreffs und machte ordentlich Stimmung. An den Landungsbrücken, kurz vor Kilometer 11 standen meine Eltern und feuerten mich an. Nach einer Stunde hatte ich das 11. Kilometerschild erreicht, ich war zufrieden. Bei Kilometer 15 musste ich aufpassen, denn da war der erste Staffelwechsel, dies war vom Veranstalter sehr professionell gemacht worden. Es lief weiterhin gut, den Halbmarathon habe ich bei 01:56:09 erreicht. Bei Kilometer 22-23 Saarlandstraße habe ich dann erneut meine Eltern gesehen und es gab ACE-Saft. Nebenbei nahm ich jetzt das erste Gel zu mir, was überhaupt nicht schmeckte. Bei Kilometer 25 habe ich drei sehr nette Mitläufer aus Hagen kennen gelernt, die meinen geplanten Kilometerschnitt von 5:30 Min./km liefen und so blieb ich bei Ihnen. Bei Kilometer 31 wurden wir dann getrennt, weil ich wieder meinen Vater und meine Cousine an der Wegstrecke traf. Die Linkskurve in Ohlsdorf war psychisch sehr wichtig für mich, jetzt wusste ich, dies ist der nördlichste Punkt und ab jetzt geht es nur noch zurück bis zum Ziel. Bei Kilometer 33 sprang dann meine Uhr auf drei Stunden um und ich sagte zu mir: „Jetzt reiß Dich noch einmal eine Stunde zusammen und dann knackst du die 4-Stunden-Grenze!“ Bei Kilometer 35 fragte ich einen Zuschauer, wie lange es noch nach Eppendorf sei und er sagte mir, nur noch 500 Meter und dann ging es durch die Hölle von Eppendorf, wo die Stimmung richtig kochte - Wahnsinn! Bei Kilometer 37,5 standen dann noch einmal meine Mutter und meine Schwester und kurz darauf bekam ich enorme Probleme in der Oberschenkelmuskulatur. Ich nahm eine Magnesiumtablette mit viel Wasser zu mir und die Beschwerden gingen fast weg bzw. waren auszuhalten. Die letzten Kilometer kam ich mir vor wie eine Schnecke und auch die Kilometerschilder kamen nicht mehr so schnell vorbei wie zu Beginn. Schließlich erreichte ich das Ziel mit einem breiten Grinsen in einer Zeit von 3 Std. 56 Min. 36 Sek., mein erster Marathon unter 4 Stunden - Ziel erreicht! So wurde dieser Marathon doch noch zu einem persönlichen Event, statt wie anfangs befürchtet, zu einem Desaster.

Christian  C.

Das war mein Lauf!

Marathon – was für ein Wort! Geradezu furchteinflößend. 42,195 Kilometer – unvorstellbar, eine solche Distanz laufend zurückzulegen. Aber genau das taten auch dieses Jahr wieder mehr als 10.000 Läufer und Läuferinnen und ich war eine von ihnen, fast kann ich es selbst nicht glauben. Es ist nicht lange her, da war Bewegung für mich eine Qual. Unglaubliche 90 Kilo Übergewicht waren das Ergebnis eines jahrzehntelangen Kampfes gegen die überschüssigen Kilos, Diäten und Abnehmerfolge reihten sich an Niederlagen und erneute Zunahmen, der Jojo-Effekt hatte mich fest im Griff und die Resignation nahm immer mehr überhand.

Lucie
Lucie beim Marathon in Hamburg.

Im Dezember 2006 bekam ich meine letzte Chance auf ein neues, leichteres Leben – eine Magen-Bypass-OP. Und diese Chance wollte ich nutzen, es war meine letzte, wie mir nur allzu bewusst war.
Drei Monate nach der OP begann ich meinen Weg zurück in ein bewegtes Leben mit Nordic Walking. Ein Jahr später (2008) folgten die ersten Laufversuche: eine Minute laufen, zwei Minuten gehen im Wechsel. Ich konnte kaum glauben, wie lang so eine Minute sein kann! Aber so ganz langsam wurde es besser, ich lief zwei Minuten am Stück, dann drei Minuten… Dann kam der Herbst und ein altbekanntes Tier meldete sich zurück: der Schweinehund. So blieb es zunächst bei diesen ersten Laufversuchen.
Doch im Frühjahr 2009 packte mich erneut der Ehrgeiz, diesmal sollte es wirklich klappen mit dem Laufen. Wild entschlossen meldete ich mich beim Wedeler Lauftreff zum Laufeinsteigerkurs an. Und tatsächlich, wie geplant konnte ich zwei Monate später die 5 Kilometer Runde beim Wedeler Förderlauf mitlaufen. Ich war so stolz! Ich konnte 5 Kilometer am Stück laufen!
Und diesmal blieb ich dabei, kein trüber November und kein eisiger Wintertag konnte mich mehr von meiner neuen Leidenschaft abhalten. Die Umfänge meiner Läufe steigerten sich kontinuierlich, der Spaß am Laufen ebenfalls.
Im Mai 2011 war ich Zuschauerin beim Hamburg Marathon und sagte voller Begeisterung: das will ich auch, nächstes Jahr bin ich dabei. So ganz geglaubt habe ich es nicht…
Doch es wurde wahr, ich trainierte weiter und absolvierte die letzten drei Monate vor dem Marathon 2012 einen anspruchsvollen Trainingsplan, der mich bis zu 80 Wochenkilometer absolvieren ließ.
Und dann war der Tag da, der Tag, auf den ich nun schon wochenlang hingearbeitet hatte. Vor Aufregung hatte ich nicht eine Sekunde schlafen können! Und es war, als wenn eine himmlische Macht diese Anstrengungen honorieren wollte: Es war nicht zu kalt und nicht zu warm, es regnete nicht, es war einfach perfekt! Ich fühlte mich fit, all meine Befürchtungen traten nicht ein (keine Toilette finden, zu heißes Wetter etc.).
Mit den ersten Laufschritten fiel all meine Aufregung von mir ab. Ich lief einfach wie immer, langsam die ersten zwei Kilometer, die meisten Läufer zogen an mir vorbei, dann hatte ich mein Tempo gefunden und lief und lief… Von diesem Moment an wusste ich, ich schaff das, ich habe gut und sorgfältig trainiert und heute ist der Tag, an dem sich all die Mühen auszahlen!
Immer wieder mal zwischendurch stand mein Mann am Rand und feuerte mich an, mein Mann, der mit mir im wahrsten Sinne des Wortes durch dick und dünn gegangen ist. Der es ertragen hat, dass ich wochenlang kein anderes Gesprächsthema mehr hatte als den Marathon, das Training, meine Beine und evtl. Zipperlein usw. Der viele Sonntage auf meine Anwesenheit überwiegend verzichtet hat, weil die langen Läufe anstanden. Ja, auch für Ehepartner und Familie ist so ein Marathon nicht ohne!
Besonders stolz bin ich darauf, dass ich den gesamten Marathon gleichmäßig durchlaufen konnte, die erste Hälfte in 02:16:52 und die zweite Hälfte in 02:17:08. Gesamtzeit war dann 04:34:03, ein Ergebnis mit dem ich überglücklich bin.
Nun ist er geschafft, der Lauf meines Lebens, mein erster Marathon. Wie oft habe ich mich während des Trainings darauf gefreut, wieder ohne Plan und Ziel durch die Gegend zu laufen… Und was ist? Eine Woche war´s schön, dann wurde doch gleich mal gegoogelt, was denn noch so für Läufe in der nächsten Zeit angeboten werden, es muss ja nicht gleich wieder ein Marathon sein…

Lucie Heiden-Manikus

Quelle: RTL


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