Race for the Cure

Laufen für einen guten Zweck - Erlebnisbericht einer Mitgelaufenen

Am 3. Juni 2012 fand das „Race for the Cure“ statt. Dabei handelt es sich um einen Wohltätigkeitslauf für an Brustkrebs erkrankte Menschen. Führte die Strecke letztes Jahr noch um die Binnenalster, ging es dieses Jahr zu den Magellan Terrassen in die Hafencity.

 

Gewalkt wurden zwei Runden um den Traditionsschiffhafen, also ca. 2 km. Die Läufer mussten vier Mal den Hafen umrunden, was nach Adam Riese 5 km entsprach (nicht drüber nachdenken).

In der Tat schienen sich die Organisatoren in den vorangegangenen Tagen nicht gelangweilt zu haben.  Ein Info-Stand folgte dem nächsten. Dance-Akts animierten zum Mitmachen und auch für das leibliche Wohl wurde umfassend gesorgt.

Doris nahm um 11 Uhr den Kampf mit den Walkern auf - sie beim Walken zu sehen, ist eine recht irritierende Sache. Selten habe ich einen unterforderteren Menschen gesehen, als sie. Und genau darin lag auch gleich die zweite Irritation: Wir sahen sie immer! Der Lauf war tatsächlich so ausgerichtet, dass man „seinen“ Läufer immer irgendwo sehen konnte. Praktisch waren da natürlich auch die Mamma Mia T-Shirts, die wir von dem Brustkrebsmagazin gesponsert bekommen hatten. Wir hoben uns von der breiten Masse optisch sportlich-elegant in knall-orange ab. Unser Wuslon Zini äh Doris musste also alle 5 Meter winken, weil sie von irgendeinem von uns begeistert entdeckt und bejubelt wurde.

Gruppenbild
Mal nicht in Blau: Wedeler Lauftreffler beim Race for the Cure.

Gegen 12 Uhr sollten dann die Läufer starten. Das war etwas schwierig, weil sich 80% der Teilnehmer nicht vom Zumba trennen konnten. Der Lauftreff gehörte zu den anderen 20%. Vor allem Louis und Christian gierten auf den Startschuss. Wirkten sie vor dem Rennen voller Betroffenheit gegenüber der tödlichen Krankheit, so preschten sie nach dem Schuss ohne Gnade durch die Massen. Wir waren im mittleren Teil der Läufer noch nicht ansatzweise in Bewegung gekommen, da sahen wir schon, wie die Zuschauer auf der anderen Seite vor zwei orangenen T-Shirts auseinanderstoben, Mütter retteten ihre Kinder, Zumba-Anhänger sprangen ins Wasser. „Keine Panik!“, beruhigten wir das verängstigte Volk. „Die wollen nur spielen.“ Louis und Christian waren on Tour.

Zusammen mit Magic-Michi, Maniac-Manni und Hardcore-Hardy nahm ich im strammen Tempo die Verfolgung auf. Wir waren nicht sonderlich weit gelaufen, als wir von hinten lauthals und voller Begeisterung begrüsst wurden. Louis. Wie sehr wir uns doch freuten, von ihm überrundet zu werden. Mit zusammengebissenen Zähnen jubelten wir ihm hinterher, als er an uns vorbeirauschte.
„Früher war ich natürlich auch so schnell.“
„Das ist überhaupt gar nicht gesund.“
„Wir hatten ja nichts.“
„Ich war damals viel schneller.“
„Laufen ist ein Ausdauersport.“
„Kurz nach dem Krieg.“
„Ich hab jetzt nen Krampf.“
„Kommt Christian auch gleich?“
Wir blickten uns synchron um. Christian lächelte uns verwundert, aber freundlich an. Wir lächelten nicht verwundert zurück. Wir hatten keine Lust mehr. Im Kreis laufen ist doof.

Louis liess nicht nur uns hinter sich zurück. Auch Master und Mentor Christian konnte dem Laufwahnsinn eines 19jährigen nicht viel entgegenbringen. Im Grunde handelte es sich für Louis um einen zweigeteilten Run. Anfangs hatte er den ersten Teil durchsprinten können. Dann ergab sich beim Antreffen des hinteren Läuferfeldes ein Slalom- und Hindernissparcour, der es leicht mit einem Asteroidenfeld bei Star Wars aufnehmen konnte. Und als ob das nicht genug wäre, zog Louis dem Ziel entgegen. Er kämpfte hart mit einem Widersacher und schaffte es letztendlich zeitgleich mit ihm als Erster über die Ziellinie. Der anwesende Lauftreff platzte vor Stolz (auch darüber, es geschafft zu haben, eine zweite Überrundung zu vermeiden).

Mitten in unserer Siegesfeier mit imaginärem Pokal, imaginärer Goldmedaille, imaginärer Siegerurkunde und durchsichtigem Konfetti stand Fynni (10) vor mir. „Mann! Du warst aber schnell!“, sagte ich (wie immer).
„Ja“, sagt er. „Aber mein Vater meinte, er hätte mich jederzeit kriegen können.“ Ein ironischer Lacher entfuhr meiner Kehle. Unsere Leuchte des Nordens kam nicht annähernd an die Zeit seines Sohnes. Mit einem breiten Grinsen zog Fynni von dannen.
Vergebens warteten wir auf eine Erwähnung oder Siegerehrung von Louis. Stattdessen wurde der andere Erstplatzierte kurz interviewt. Ihm wurde folgende Frage gestellt: „Wieso bist du denn so schnell gelaufen?“ Eine Frage, die dämlicher kaum sein konnte. Sicher, es ging um einen Wohltätigkeitslauf und Spass. Aber vielleicht laufen manche Menschen auch gerne schnell. Und vielleicht gewinnen manche Menschen auch gerne. Und vielleicht gibt es sogar Menschen, wie mich, die den Siegern gerne zujubeln. Ich wäre nämlich auch gerne so toll. Wer ein Race (=Wettrennen) veranstaltet, sollte mit einem Sieger rechnen. Zum Beispiel mit Louis Bechthold.

Susanne Voigt

 


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